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Es beginnt grotesk und bleibt es bis zum Schluss: Manfred braucht für
seine Wehwehchen Tropfen, Pillen, Salben. Genervt muss er bei der
Waldwanderung immerzu auf seine lahme Gattin Petra warten, der er
vorauseilt. Kein Wunder, muss sie ihm doch schwere Koffer und unförmige
Taschen hinterher tragen, die das Paar braucht, um Silvester auf einer
Jagdhütte, fernab der Zivilisation, zu feiern.
Rasch gelingt es Regisseurin Gabriele Schmidt mit dem ulkigen Stück
„Hüttenzauber“ von Heidi Mager das Publikum zu begeistern. Der
Eberstädter Ernst-Ludwig-Saal ist gut gefüllt, die Gäste freuen sich auf
die Laienschauspieler der Frankenstein-Bühne, die 2011 zehnjähriges
Bühnenjubiläum feiern. Rundherum zieren Großfotografien aus vergangener
Spielzeit die Wände im Saal. Mit Wein und Brezel erleben die Zuschauer
einen vergnüglichen Abend, an dem sie über allerhand Verrücktes lauthals
lachen.
Schon der verzweifelt im Wald stehende, unendlich genervte Manfred
treibt dem Publikum Tränen in die Augen. Denn Wilfried Schwinn spielt diesen missmutigen Kerl mit sehr viel Verve,
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wobei immer auch eine
Extraportion Schadenfreude mitschwingt, die beim Zuschauer heftige
Gefühle hervorruft. Petra, die Karla Bachmann ebenso gekonnt diesem Ekel
von Mann gegenüberstellt, kitzelt das Publikum mit Bemerkungen und
Mimik nicht weniger heraus.
Lammfromm schwärmt sie ihrem Manfred von einem offenen Kamin sowie
romantischen Stunden vor. So weit wird's wohl nicht kommen, denken sich
anfänglich schon die meisten im Saal, womit sie Recht behalten werden.
Die sowieso nie da gewesene Ruhe wird plump von Petras Bruder Kurt
(Hans-Jürgen Schwarz) gestört, dann von einer jagdwütigen Jägerin (Doris
Schwarz) sowie durch weitere nicht gerade konfliktscheue Menschen.
Das sich so entwickelnde Chaos passt perfekt zu den aufgeregten
Charakteren des komödiantischen Stücks: Hier ein hypochondrischer
Manfred und ein draufgängerischer Rolf Kaiser, den Walter Wesch
sichtlich mit Spaß und Hinterlist auf die Bühne zwingt, dort ein durchtriebener Kurt, der nur an seine Vorteile denkt sowie die leicht
hysterische Petra, die plötzlich Verbrecherpotenzial |
aufweist. Klarheit
bringt schlussendlich die resolute Verena Kaiser (Sylvia Sadlon-Richter)
ins Spiel, die mit ihrem Auftritt in der Hütte meint, ihren Gatten in
prekärer Lage mit Sekretärin Trost zu erwischen. Letztere verkörpert
Yvonne Raftopoulo derart perfekt blöde und naiv, dass sie - obwohl zum
ersten Mal mit dabei - die Laiengruppe enorm bereichert.
Es ist zum Piepen, wie sie die unerfahrene, sexmuffelige Dame mimt,
dabei bis zum Anschlag schielt, ihre staksigen Beine grätscht - die
willenlos Besoffene gibt. Aber auch alle anderen Spieler, darunter der
verliebte Franzose Jean-Jacques (Hans-Joachim Spika) sowie die
Flitterwöchner Volker (Winfried Hess) und Silvia Müller (Nadine Zielke)
tragen zum Gelingen von „Hüttenzauber“ bei.
Das Publikum ist erleichtert, dass am Ende alles gut ausgeht. Denn die
Leiche in der Sauna der recht behaglichen Hütte mit Kamin und Fellen
drückte denn doch auf die Stimmung.
„Ich hab' Tränen gelacht“, bekundet eine Zuschauerin. Die Eberstädterin
Hanne Werner sagt: „Ich habe alle Stücke der Frankenstein-Bühne gesehen.
Alle waren witzig und sehr amüsant.“
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