Ein Messer im Rücken gehört bei einem Krimi einfach dazu: Die Frankensteinbühne zeigt derzeit "39 Stufen" mit Winfried Heß in der Hauptrolle. Foto: Dirk Zengel
Ein Messer im Rücken gehört bei einem Krimi einfach dazu: Die Frankensteinbühne zeigt derzeit "39 Stufen" mit Winfried Heß in der Hauptrolle. Foto: Dirk Zengel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FRANKENSTEIN-BÜHNE bringt in Eberstadt Hitchcocks "39 Stufen" auf die Bühne

Von Petra Neumann-Pristaj, Darmstädter Echo vom 11.02.2019

 

Kriminalkomödie mit Charme, drei Leichen und einem Happy-End begeistert das Publikum.  Amateurtheater überträgt Tempo und Spannung des Filmklassikers auf die Bühne.

DARMSTADT - Eine Handfessel kettet die hübsche Blondine Pamela an Richard, den Mann mit dem äußerst attraktiven Oberlippenbart. Obwohl sich beide nicht ausstehen können, müssen sie die Nacht im Zimmer einer Pension verbringen und den Wirtsleuten zudem noch vorgaukeln, ein Liebespaar zu sein. Was für eine schauspielerische Herausforderung. Winfried Heß und Yvonne Raftopoulo spielen diese prickelnde Szene in "Die 39 Stufen" so glaubwürdig und mitreißend wie das Paar, das 1935 in Hitchcocks gleichnamigen Film mit dem Gefühlswirrwarr aus Anziehungskraft, Empörung, Übermüdung und Erotik - beim Ausziehen von Nylonstrümpfen! - amüsierte.
Filmklassiker verspricht Tempo und Spannung

Premiere im ausverkauften Ernst-Ludwig-Saal: Das Amateurtheater Frankenstein-Bühne, seit dem Jahr 2000 Bestandteil des Eberstädter Kulturlebens, hatte sich diesmal eine Kriminalkomödie mit dem Charme des Kinos der dreißiger Jahre ausgesucht. Daran erinnerte auch die zur atmosphärischen Verstärkung einzelner Szene eingespielte Musik. Regisseurin Gabriele Schmidt übertrug Tempo und Spannung des Filmklassikers auf die Bühne. "Die 39 Stufen" sind ein nicht näher beschriebener Spionagering in England, der eine wichtige Botschaft an den deutschen Feind übermitteln soll.

Der aus Kanada nach London zurückgekehrte Richard Hannay (Winfried Heß) durchkreuzt nach der Zufallsbekanntschaft mit einer mysteriösen Agentin diesen Plan, wird fälschlich bezichtigt, die Dame ermordet zu haben, und lernt auf der Flucht vor der Polizei und der Suche nach dem Spionagenest in Schottland die putzmuntere Pamela kennen.

In dem turbulenten Stück mit über 30 weiteren Rollen zeigen Dominik Schneider, Karla Bachmann und Sylvia Sadlon-Richter ihre Wandlungsfähigkeit. Den Schauspielerinnen genügt der Wechsel von Hüten und Mützen, um sich blitzschnell in Zeitungsjungen, Zugreisende im Highland Express oder Polizisten zu verwandeln.

Es ist erstaunlich, wie wenig Requisiten die Laienschauspieler brauchen, um die Imaginationskraft ihres Publikums herauszufordern. Der Sprung aus dem Fenster wird mit einem Holzrahmen, durch den der verfolgte Richard Hannay schlüpft, veranschaulicht. Ein Gerüst und Wassergluckern ersetzen eine Brücke, und die Schafherde, die das Auto der falschen Polizisten aufhält, wird durch Gemecker imaginiert.

Insider schmunzelten, als das Plakat "Achim McPepper for President" aufgestellt wurde - eine Huldigung für Bezirksverwalter Achim Pfeffer, der als unabhängiger Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl angetreten war und dessen Sohn Heiko für die Technik der Frankensteinbühne verantwortlich ist.

Sylvia Sadlon-Richter brillierte als Gedächtniswunder Mister Memory mit der Wiedergabe eines komplizierten fachchinesischen Textes. Ein Vergleich mit dem Filmoriginal zeigt: Sie kann das genauso gut wie seinerzeit Wylie Watson. Wie es sich für einen Krimi gehört, gab es drei Leichen - und ein Happy-End.